Selbstbegegnung in Bildern

Öffentliche VeranstaltungOffene Veranstaltung   26.09.2014
Veranstaltungsort: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Villestraße 3, 53347 Alfter

Bilder einer Frau in Isolationshaft

Ausstellung vom 26.09.2014 bis 30.01.2015

Die Werkschau zeigt Bilder, die während der Inhaft­ier­ung im Frauenbereich Justizvollzugsanstalt Köln ent­stand­en sind. Die Teilnahme an der dort an­ge­bot­en­en Kunsttherapie war sehr wichtig, da sich die Malerin, eine türkischdeutsche Frau, aus politischen Gründen über mehr als 3 Jahre in strenger Einzelhaft befand. Der Zugang zur Kunsttherapie, als Ort der Kom­m­unik­ation und des Austausches regte die Selbs­tre­flex­ion der Malerin in hohem Maße an.

„Ich konnte meine Seele sprechen lassen“

Dieser Satz der Malerin übermittelt sich eindrücklich in Selbstporträts und Landschaftsbildern, die in dieser Werkschau zu sehen sind. Über die Kunst­thera­peut­isch­en Einzelsitzungen konnte sie nach und nach das Malen und auch das Singen ihrer Kindheitstage wiederentdecken und die damit verbundene Möglichkeit, ihren Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Bedenkt man die Haftbedingungen, die jeweils eine Einzelunterbringung der Frauen in einem 8,5 m² großen Raum vorsehen, so wird deutlich, dass der Kunsttherapie-Raum auch ein Ort des Austausches und der Orientierung sein kann.

Es gibt selten einen Ort, wo soviel gedacht, gefühlt, geträumt, geschrieben, gezeichnet und gemalt wird, wie im Gefängnis.

Die Haftzeit kann eine Zeit des Nachdenkens, der Gedankenfülle sein. Der Mensch ist auf sich allein gestellt und hat keine Möglichkeit in das Leben der Außenwelt einzugreifen. Die Befragung der eigenen Existenz steht deshalb verstärkt im Mittelpunkt der gemalten Selbstporträts.

Bilder sind eine Kraftquelle, denn malen ist handeln, ist ein Ausbruch aus dem Zustand der Antriebslosigkeit.

Das Malen entspannt, bringt Gedankenruhe. Beim Malen wird Druck, Wut, Trauer oder Freude, letztendlich jede Form innerer Emotion auf das Bild kanalisiert und kann sich dadurch entäußern. Die Erzeugung eines Bildes stärkt das Selbst- und Selbstwertgefühl.

Im bildhaften Ausdruck der Landschaften kommen die Kindheitserinnerungen der Malerin zur Erscheinung. Die Unmittelbarkeit der Umsetzung, bei einem gleichzeitig hohen malerischen Ausdrucksvermögen, vermittelt dem Betrachter aber auch zusätzlich einen Zugang zu ihren zeitweise äußerst bedrückenden, existentiellen Lebensumständen.

Inszenierte ästhetische Materialisierung wird so zum dynamischen und ästhetischen Gegenüber in einer produktiven Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Wirklichkeitsbezügen.

 

Konzeption und Realisation der Ausstellung:

Klaus Heilmann, Kunsttherapeut (JVA Köln),
Hanna Heinrich (Alanus Hochschule).
Kuratorin: Prof. Dr. Dagmar Wohler (Alanus Hochschule)

 

Öffnungszeiten:

26.September 2014 bis 30.Januar.2015 nach Absprache.

Bitte melden Sie sich von Montags - Donnertags bei:

Frau Milde-Schulz unter: 02222 93211800

barbara.milde-schulz@alanus.edu

Impressionen der Ausstellung:


Weitere Informationen: