Zeit der Veränderung...

Geschlossene VeranstaltungGeschlossene Veranstaltung   10.07.2013
Veranstaltungsort: JVA Tonna, Im Stemker 4, 99958 Gräfentonna

Justizminister Dr. Holger Poppenhäger (Foto: Carlo Bansini) Quelle: Thüringer Justizministerium

Der Thüringer Justizminister, Dr. Holger Popp­en­häger, wird am 10. Juli 2013, 11.00 Uhr, eine von Inhaftierten und Bediensteten geschaffene Skulptur vor der Justizvollzugsanstalt Tonna enthüllen.

Die Skulptur soll den Entwicklungsprozess des Gefangenen im Vollzug - hin zur Freiheit - wider­spiegeln und dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich mit dieser Thematik aus­ein­an­der­zusetzen.

Zeit für Veränderung...

Am Beginn der Realisierung der meisten Kunstprojekte steht die Planungsphase. In diesem Fall nahm sie vier Monate in Anspruch. Die Mitarbeiter des Eigenbetriebes Schlosserei in der JVA Tonna bildeten dafür einen "Kulturkreis". Der Rahmen ihrer Aufgabe war grob vorgegeben. Es sollte eine Skulptur erschaffen werden, die in der Person eines Gefangenen widerspiegelt, welche positive Entwicklung er in der Haft durch seinen eigenen Willen und mit der Unterstützung des Behandlungsvollzuges nehmen und als "anderer Mensch" in die Gesellschaft zurückkehren kann.

Der „Kulturkreis“ entwickelte einen Plan, in dem die kreative Gestaltung und die Materialauswahl den größten Raum einnahmen. Wir einigten uns mit Edelstahl und Cortenstahl auf zwei Materialien, wie sie in diesem Fall gegensätzlicher nicht sein könnten und somit optimal zur Aufteilung und Gestaltung des Projektes passten.

Edelstahl besitzt eine glatte, zeitlose Oberfläche und verkörpert gleichzeitig Beständigkeit. Er passt sehr gut zu einer JVA, die als starkes und unüberwindbares Bauwerk dauerhaft und für viele Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte, geplant und errichtet ist. Diese Dominanz und Langlebigkeit symbolisiert der Türrahmen aus Edelstahl.
Um den Weg und den Entwicklungsprozess des Insassen im Vollzug hin zur Freiheit besser darstellen zu können, wurden zwei Figuren kreiert. Eine der Figuren stellt einen Insassen dar, der im wahrsten Sinne des Wortes "sitzt".

Betrachter, die mit den Zielen des Strafvollzuges vertraut sind, wissen, dass Täter in der Haft vom Behandlungspersonal motiviert werden, sich über das eigene Leben Gedanken zu machen und sich mit den begangenen (Straf-)taten auseinanderzusetzen. Diese Anfangssituation zusammen mit dem Gefühl, nicht frei zu sein, wird durch die demütige, gebeugte, gedankenverlorene, erstarrte Haltung des Gefangenen hinter der Tür symbolisiert.

Vor der Tür steht die zweite Figur, die einen Entwicklungsprozess während der Haftzeit durchlebt haben könnte und nun den lang ersehnten Schritt in die Freiheit unternimmt. Die Veränderung hin zum Positiven symbolisiert die aufrechte Haltung. Mit ausgebrei¬te-ten Armen nimmt sie die neu erlangte Freiheit offen an und ist bereit, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.

In einer Vollzugseinrichtung ist nichts „beständiger“ als die „erhoffte“ Änderung ihrer Bewohner. Aus diesem Grund wurden beide Figuren aus Cortenstahl gefertigt.

Cortenstahl bildet eine sichtbare Rostschicht, die sich Tag für Tag verändert. Diese Veränderung soll die Lebensvielfalt und auch die unterschiedlichen Personen symboli-sieren, die tagtäglich eine JVA betreten oder auch verlassen.

Da beide Figuren unterschiedliche Bedeutungen haben, sorgt eine in den Rahmen installierte Tür für eine räumliche Trennung. Allerdings ist die Haftseite mit einem Gitter versehen. Die Außenseite hat eine undurchsichtige, spiegelnde Oberfläche.

Besonderes Augenmerk gilt dem Rahmen unter der Skulptur. Um den Entwicklungsprozess zu versinnbildlichen, beginnt dieser auf der "Haftseite" schmal und weitet sich in Richtung Freiheit. Die Person öffnet sich, lernt dazu und erweitert ihren Blickwinkel.

Die Umsetzung des Projektes dauerte drei Monate. In dieser Bauphase verarbeiteten die Künstler für die beiden Figuren mehr als 2.400 Einzelteile in intensiver Kleinstarbeit. Die Metallplättchen mussten geschnitten und mit ca. 50.000 Hammerschlägen in Form gebracht werden. Anschließend wurden sie mit mehr als 15.000 Schweißpunkten dauerhaft miteinander verbunden.

Als Resümee ist festzuhalten, dass das Projekt nur durch die Gemeinschaft des „Kulturkreises“ entstehen konnte. Indem Insassen und Beamte ihre ganze Bereitschaft und Energie aufbrachten, wurde aus einer Idee Wirklichkeit.

Wir, die Mitglieder des „Kulturkreises“, sind stolz auf den Prozess, das Ergebnis und die geleistete Arbeit und meinen, dass die Skulptur dem Betrachter Gelegenheit gibt, sich mit der Thematik Strafvollzug auseinanderzusetzen.