JVA Schwerte: Theaterlabor - „Judas“ (Stück 14)

Auf der Suche nach dem Judas in uns…

Am 14.11.2017 und 17.11.2017 gab das „Theaterlabor Schwerte“ im Rahmen der "KnastKulturWoche" je eine Vorstellung des Theaterstücks „Judas“ von Lot Vekemans. Dieses Stück wirft ein Licht auf die Gestalt des biblischen Judas aus der Gegenwart und der protestantische liberalen Tradition der Niederlande. Die niederländische Autorin Lot Vekemans (geb. 1965) schrieb 2007 dieses Ein-Personenstück, das im Jahr 2012 unter der Regie von Johan Simons seine deutsche Erstaufführung erlebte und seitdem an vielen Bühnen gespielt wurde.

Zwar ist das Stück als ein Monolog verfasst, doch wurde es, mit Zustimmung der Autorin, zu einem neunstimmigen Monolog umgewandelt. So trat in dem Stück nicht nur ein Spieler auf, sondern neun Spieler.

Und die ließen den Judas aus der Vergangenheit in die Jetztzeit vor die Zuschauer treten und ihn erzählen von seiner Zeit mit seinem Freund Jesus, der von den Eliten der Gesellschaft damals in Israel hingerichtet worden ist. Natürlich erinnert er sich auch an seine Rolle in diesem Drama und er fragte die Zuschauer immer wieder, welche Rolle sie wohl dabei gespielt hätten – hätten sie damals gelebt.

Und so erscheinen die Ereignisse von Karfreitag und Ostern in einem neuen Licht.

Das Theaterlabor Schwerte ging bei dieser Aufführung wieder einmal einen besonderen Weg, was fast schon zum Markenzeichen dieser Truppe unter der Regie von Dirk Harms geworden ist. Die eine, innere Stimme der Figur weicht einer Mehrzahl innerer Stimmen, die mal chorisch, mal einzeln sprechen, in Dialog mit sich selber und mit dem Publikum.

Das zahlreiche Publikum, unter ihnen Joachim Klein aus dem Ministerium der Justiz, Nicole Sonnenbaum und Thomas Cieszynski vom Projekt „KNASTKULTUR“, war in jedem Fall begeistert und spendete anhaltenden Applaus.

Das Theaterlabor Schwerte ist ein Projekt der Gefangenen und der evangelischen Gefängnisseelsorge der JVA Schwerte unter der Leitung von Pfarrer Dirk Harms (Diplom Theaterpädagoge ARS). Ziel ist es, dem Gefangenen durch die Theaterarbeit positive Erfahrungen zu vermitteln. In den letzten Jahren entstanden so viele anspruchsvolle und erfolgreiche Inszenierungen.