"Wie es wirklich ist" - ein Fotoprojekt in Siegburg

Es sind nicht etwa die schweren Mauern, die Gitterstäbe oder das Drehen des Schlüssels, welches am meisten Eindruck macht. Viel eher sind es die oft verborgenen Talente der Inhaftierten, die mich während der Begleitung des Fotoprojektes „Wie es wirklich ist“ am meisten beeindruckten.

Ein für jeden Inhaftierten ernstes Thema wurde durch die zehn jungen Männer eindrucksvoll umgesetzt. Neben der Kreativität wurde auch Emotion zum Ausdruck gebracht, mittels einer Geschichte, die für jeden Einzelnen von Bedeutung ist. Wie wichtig der Besuch ist, da sind wir uns alle einig. Welche Auswirkungen aber eine Trennung, ein Kontaktabbruch hat, kann ganz unterschiedlich sein. So haben die jungen Männer ihre Gedanken dazu in verschiedenen Schlussteilen festgehalten.

Es wurde gezeichnet und geschrieben, Ideen ausgedrückt in einem Storyboard. Köpfe qualmten und Flexibilität war gefragt. Hinter einem weißen Laken sammelte sich eine Kulisse an, dessen Silhouette im Licht des Scheinwerfers zum Schatten auf der Leinwand wurde. Der eine schauspielerte hinter der Leinwand, ein anderer fotografierte davor. Neben dem Beisammensein und dem Austausch untereinander, wurde musiziert und eine freundliche Atmosphäre geschaffen.

Zudem haben die jungen Männer ihre Emotionen und Gedanken in Worte gefasst. Hierbei sind verschiedene Texte und Gedichte entstanden und ein Rap, welche der Aussagekraft der Fotografien Nachdruck geben.

Während der Präsentation am 05. April in der Kirche Haus 2 in der JVA in Siegburg, beantworteten die jungen Männer als „Lebendige Bücher“ die Fragen der Besucher. „Wie es wirklich ist – Das Leben hinter Gittern in und mit seinen Schatten“ fand Platz auf einem 70m langen Banner aus Fahnenstoff, der sich seinen Weg durch den Kirchsaal bahnte. Die jungen Männer präsentierten mit Stolz ihr Werk und gestalteten das Programm abwechslungsreich durch das Vortragen ihrer Texte und das Darbieten von Musikeinlagen. Ein gelungenes Projekt, das immerhin über 5 Monate dauerte.

Gina Goonewardena (Studentin der Sozialpädagogik)

Das Projekt erfolgte in Zusammenarbeit mit "Unter Wasser fliegen e.V."

Bildergalerie zur Ausstellung in der JVA Siegburg: