Autorenlesung in der Gefangenenbücherei der Justizvollzugsanstalt Detmold

Hermann Wenning

Hermann Wenning


Am 18.05.2011 war es mal wieder soweit, die Gefangenenbücherei der JVA Detmold veranstaltete eine Lesung in der Festwoche anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Anstalt für Insassen, Bedienstete und Gäste.

Diesmal war der Ex-Junkie und Ex-Häftling Hermann Wenning zu Gast in der Turnhalle der Anstalt und las aus seinem Buch „Lauf zurück ins Leben – Bericht einer Lebenskrise“ vor. Vom Methadon zum Marathon: der ehemalige erfolgreiche Langstreckenläufer läuft sich zurück ins Leben

Gemeinsam mit Herrn Marschall, der die Lesung moderierte, berichtete Herr Wenning über die schlimmste Zeit seines Lebens.

Sport, Alkohol, Drogen: „Nach jeder dieser drei Sachen wurde ich süchtig“, sagt Hermann Wenning. Von etwas Rausch, wenig Ekstase, viel Elend und einer jahrelangen Drogenkarriere erzählt Hermann Wenning. Was dem heute 44-jährigen gelungen ist, glückt nur wenigen: das Comeback des langjährigen Junkies ins Leben. Er braucht sieben Jahre, um nicht mehr zu behaupten: »Mein Verlangen nach Drogen ist noch lange nicht gestillt. « Was es kaum gibt: Hermann Wenning hat seinen Weg aufgeschrieben. Lauf zurück ins Leben ist ein Bericht aus der unbekannten und hilflos verdrängten Drogenwelt vor unserer Haustür. Sympathisch ehrlich, ungeschönt und mitunter unbeholfen berichtet Hermann Wenning als genauer Beobachter seiner selbst; auf Mitleid, Anklage und falsche Gefühle muss er nicht setzen. Gelungen ist ihm ein atemberaubender und die Augen öffnender Dokumentarkrimi: von der ersten Ecstasy-Erfahrung des 31-jährigen über die Beschaffungskriminalität mit Diebstahl und Einbruch führt dieses Leben in die Asozialität eines Junkiedaseins und in mehrfache Haft; ein sich verhängnisvoll beschleunigender Kreislauf, bei dem sich kurzes Drogenglück, Gefängnis und Therapie abwechseln.

Als Herr Wenning in seinem Lebensbericht am Tiefpunkt der Krise angelangt war, wurde eine Pause gemacht und für alle Teilnehmer der Veranstaltung ein Snack gereicht. Die Unterbrechung der Schilderung wurde schon für die ersten Diskussionen zwischen Autor, Moderator und Teilnehmer der Veranstaltung genutzt.

Nach der Pause berichtet Herr Wenning weiter über seinen Lauf zurück ins Leben.

Am Ende des schwierig-schmerzhaften Weges steht eine einzige Einsicht: Du musst Dein Leben ändern! Hermann Wenning ist ins Leben zurückgelaufen. Er hat seine Krise zu Papier gebracht und ist aufs Siegerpodest zurückgekehrt.

Süchtig sei er noch immer, schreibt der 46-jährige Sportler in seinem Buch, „Man kann die Sucht nicht besiegen“, weiß er nun. Mit ihr zu leben ist sein Ziel. Es ist ein Kampf, Tag für Tag.

Nach der Lesung wurde die bereits während der Pause entfachte Diskussion lebhaft weitergeführt. Als Schlusswort bedankte sich ein Gefangener stellvertretend für alle Inhaftierten bei Herrn Wenning. „Sie haben uns heute gezeigt, dass wir alle eine Chance haben, wieder ein „normales“ Leben zu führen, wir müssen es nur wollen und können es dann auch schaffen – wir müssen an uns glauben… – Vielen Dank!!!“