Neue Heimat - altes Land

Zwei Gitarren und viel Herzblut

Unter dieser Überschrift stand die Konzertidee junger Inhaftierter mit russischem Migrationshintergrund am 15.07.2011 in der JVA Siegburg.

"Mut..., vor anderen Inhaftierten aufzutreten?"

Üblicherweise kommen Bands oder einzelne Musiker von „draußen“ ins Gefängnis, um vor den In- haftierten  zu spielen. Doch auch hinter den Mauern schlummern manche unentdeckten Fähigkeiten. 

Zwei junge Männer spielen Gitarre, und sie spielen die Songs ihrer Generation und der Rock- und Popkultur ihres alten Landes. „Haben wir den Mut, mehr daraus zu machen, vor anderen Inhaftierten zu spielen?“ 

Ohne Hilfe wäre die Idee nicht umsetzbar gewesen

Ihre Idee findet Unterstützung bei verschiedenen  Fachdiensten. Der Jugendmigrationsdienst Rhein-Sieg-Kreis, die Diplompädagogin und die ev. Gefängnisseelsorgerin organisiert die Musikveranstaltung. Die beiden Musiker suchen die Komponisten und Stücke aus und proben mit Verstärker und E- Gitarren. Eine andere Gruppe informiert sich über die biografischen Hintergründe der Komponisten und übersetzt die Texte vom Russischen in die deutsche Sprache, die Sprache ihrer neuen Heimat. Eine weitere Gruppe bereitet den Imbiss für das anschließende Beisammensein vor.

So sind die Inhaftierten an diesem Nachmittag nicht Kultur-Konsumenten, sondern Kultur-Schaffende aus ihrer eigenen Initiative heraus. Sie stellen sich vor das Publikum und lesen ihre Texte in deutscher Sprache. Die Musiker spielen und singen. Die Zuhörer erfahren etwas über die Hintergründe der Komponisten und Sänger, über Zensur und die politische Lage der jeweiligen Zeit. Über Unebenheiten der Vortragenden wird angesichts so viel Zutrauen hinweggesehen. Die gesamte Gruppe hat ihre kreativen Stärken positiv umgesetzt. Das macht Lust auf mehr und dann vor mehr Publikum.