10 Jahre Theaterarbeit in der JVA Untermaßfeld

2003 hatte der Dramaturg und Regisseur Oliver Spatz zum ersten Mal eine Theateraufführung hinter den Mauern der JVA Untermaßfeld organisiert. Drei Schauspieler des Meininger Theaters hatten damals Gefangene mit Texten und Liedern unterhalten. Dies war der Auftakt zur Gründung einer Theatergruppe, denn es entstand der Wunsch nach einer gemeinsamen Theaterarbeit von Häftlingen und Schauspielern.

Schiller_Gefangen_Endlich.SM (2005)

Das erste Stück des Projekts „Theater im Vollzug“ unter der Leitung von Oliver Spatz war eine Auseinandersetzung mit Friedrich Schiller, der nicht weit von der Anstalt in Bauerbach/Südthüringen, ein sieben monatiges Exil verbrachte. Der Regimentsarzt Schiller kam nach Bauerbach, weil er vom württembergischen Herzog Karl Eugen als Deserteur unter Arrest gestellt werden sollte. Er entzog sich so dem Zugriff der Polizei. Neben dem Verfassen von Literatur unternahm Schiller dort auch ausgedehnte Wanderungen in der Umgebung, die ihn auch zum Gasthof „Zum Stern“ in Untermaßfeld führten. Gegenüber dieser Schenke steht bis heute eine Wasserburg, die seit 1813 ein Gefängnis ist. „Schiller_Gefangen_Endlich.SM“ erweiterte diesen historischen Kontext um eine fiktive Gefangenschaft des Dichterfürsten. Premiere hatte das Stück am 27. Mai 2005 um 14.00 Uhr für Strafgefangene und um 18.00 Uhr für geladene Gäste auf dem Gelände der JVA Untermaßfeld. An der abendlichen Freilichtaufführung nahm auch Justizstaatssekretär Manfred Scherer teil. Auf Einladung der Internationalen Schillertage gab es auch ein Gastspiel in der JVA Mannheim am 09. Juni 2005, das ebenfalls ein voller Erfolg wurde.

Tausche Texte gegen Freiheit (2010)

"Tausche Texte gegen Freiheit" 2010

Im Herbst 2010 hat sich eine Gruppe von acht Gefan­­gen­­en der JVA Unter­­maß­­feld wiederum unter der Leitung von Oliver Spatz das Motto „S‘ gäb freilich viel Schreib­­ens und Sagens, wenn‘s erlaubt wäre, über Sachen, die um uns herum vorgehen, freie Be­­tracht­­ung­en an­­zu­­stell­en.“ eines schwäbischen Rebellen, Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) zu Eigen gemacht und versucht in mehrwöchigen Schreibwerkstätten, begleitet von einem Yogakurs, ihre Gedanken über Recht und Unrecht, Verbrechen und Strafe zu einem Theaterstück zu verarbeiten. Her­aus­ge­kommen ist ein Theaterstück mit dem Titel „Tausche Texte gegen Freiheit“.

Gestartet war das Projekt jedoch mit einem dreitägigen Videodreh des Berliner Filmemachers Thomas Martius. Neben dem Video ist aus den Videobildern eine ,Graphic Novel‘ in gedruckter Form entstanden. Mittelpunkt der erarbeiteten Geschichte ist die historische Begegnung zwischen Daniel Schubart und Friedrich Schiller. Dieses Treffen hinter Gittern und seine Konsequenzen wurden dann abschließend im Dezember 2010 vor Gefangenen und geladenen Gästen in einer Bühnenfassung mit Schauspiel und Musik in der JVA Untermaßfeld uraufgeführt.

„Kultur gehört zum Leben wie die Luft zum Atmen. Auch in der Zeit des Freiheitsentzuges wollen wir den Gefangenen den Zugang dazu ermöglichen. Die Theaterprojekte werden jedes Mal gut angenommen. Mit großem Enthusiasmus sind vor allem die Inhaftierten dabei, die eine Rolle übernommen haben und irgendwann ganz im Spiel aufgehen“, erklärte seinerzeit die Leiterin der JVA Untermaßfeld, Marion Kiese vor der Premiere.

Bilder der letzten 10 Jahre:


Weitere Informationen