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Der Workshop fand vom 19. – 21.04.16 in Kooperation mit der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur und der JVA Herford in der Tischlerei der JVA statt. An diesem Projekt nahmen sieben junge Gefangene und 7 sieben StudentInnen teil. Alle Beteiligten hatten sich vorab bei einem Workshop zu Gewalt kennengelernt und sich so diesem Thema genährt.

Zwischen den sieben Gefangenen und sieben Studierenden ist eine so intensive Zusammenarbeit entstanden, dass es im Mai ein erneutes Treffen gab, bei dem der Workshop noch einmal reflektiert wurde.

Das Thema zu dem im Folgenden gearbeitet wurde hieß Gewalt – Artfremde Behandlungen an zerlegbaren Hockern. Die ersten Vorbereitungen bekamen die Studierenden durch den Besuch der Ausstellung Brutal Schön in der Marta Herford. Da den Gefangenen der Zugang zu der Ausstellung nicht möglich war, bekamen sie von der Kuratorin der Marta in der JVA einen Vortrag über die Ausstellung, der mit Bildern visualisiert wurde. Dieser stieß auf großes Interesse und eine rege Mitarbeit. Zu Beginn des drei Tage Workshops wurde das Thema dann gemeinsam vertieft.

Der Workshop fand in der Tischlerei der JVA unter den dort herrschenden Bedingungen der Klausur statt.

Aus den ursprünglich 14 identischen Hockern entwickelten sich sehr verschiedene, teilweise außerordentlich persönliche Arbeiten.

Gewalt zeigte sich im Angriff, im Würgegriff, in Auswirkungen von Nuklearunfällen, Plünderung, Bedrohung, einem Hochhaus, auf dessen Dach sich 2 Revolver kreuzen. Aber auch in Reaktionen auf Gewalt wie Verweigerung und Tarnung. Die Einzelteile oder die zusammengebauten Hocker wurden mit Stemmeisen, Zwingen, Zangen traktiert, angebrannt, verkleidet, purer mechanischer Gewalt ausgesetzt, durchstochen (Piercing), gestochen (Tattoo) und gequetscht.

Konzeption und Leitung:

Hendrike Farenholtz und Prof.‘ in Verena Wriedt
Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur
Hochschule Ostwestfalen Lippe

von Seiten der JVA HERFORD
Dipl.-Päd. Nicole Sonnenbaum

Die Hocker:


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Angriff - Kann man einen Hocker würgen?Dieser Hocker symbolisiert die psychischen, sowie die physischen Blessuren, welche das Opfer nach einem Würgeangriff erleidet. Der personifizierte Hocker versucht trotz alledem wieder durchzuatmen und sich zu erholen.
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Angriff - Der Hocker "Brandopfer" zeigt den Brandanschlag auf eine Person, die durch eine Decke und Wasser gelöscht werden konnte. Durch den Angriff wird der Hocker zu Boden gezwungen. Jedoch zeigt eine verstellbare Sitzfläche den Überlebenswillen, indem sie sich nach oben zieht.
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Tattoo - Der Hocker ist mit einem Maori-Tattoo geschmückt, das von dem Leben eines Maorikriegers erzählt. Er muss nach dem Tod des Stammeshäuptlings allein für seine Familie sorgen und stirbt letztendlich beim Jagen im Buschfeuer. Dieses ist deutlich auf der Sitzfläche zu erkennen ist. Die freien Felder stehen für die Erlebnisse und Geschichten der Zukunft.
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Angriff - Der Hocker wird durch einen Holzwurm angegriffen. An einem Bein ist der untere Teil schon komplett zerfressen und steht nicht mehr auf dem Boden, wodurch er wackelig und instabil ist. Der Wurm hat sich von unten über die Seiten nach oben vorgearbeitet. Oben zeigt er sich er sich auf der Sitzfläche und wirkt den kleineren Würmern gegenüber überlegen.
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Angriff - Bei dem Hocker sind deutliche Zeichen der Gewalteinwirkung zu sehen. Auf die Sitzfläche wurde mit unkontrollierter Kraft eingewirkt, wodurch die Fläche, sowie Beine und Zargen beschädigt wurden. Zusätzlich kam es zu einer seitlichen Beschädigung durch die angewandte Gewalt.
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Tattoo - Lässt man sich ein Tattoo stechen, so ist man sich darüber bewusst, dass die Haut verletzt wird. Da aber das Motiv eine emotionale Bedeutung für den Träger hat, werden die Schmerzen und die Auswirkungen auf den Körper oft vernachlässigt. Der entstehende Konflikt zwischen der Gewalt auf den Körper und dem Entschluss des Stechens wird durch dieses Objekt verdeutlicht.