Eine Komödie von Oscar Wilde und ein Abend voller spontaner Musik und Schau-spiel zeigten dabei eindrucksvoll, wie Kultur Menschen zusammenbringen kann.
Alle zwei Jahre bietet die Knastkulturwoche den Justizvollzugsanstalten in Nord-rhein-Westfalen die Gelegenheit, Kultur und Kreativität in den Mittelpunkt zu stel-len. Auch im Meisenhof wurde wieder gemeinsam gestaltet, Neues ausprobiert und Raum für Begegnungen und Gespräche geschaffen – über die Grenzen des Vollzugsalltages hinaus.
Oscar Wilde auf der Bühne
Los ging es am Dienstag, den 6. Oktober, mit der Komödie „BUNBURY – Die Bedeutung, Ernst zu sein“ von Oscar Wilde. Die neu gegründete hauseigene „Theatergruppe Meisenhof“ brachte das bekannte Stück in einer eigens für die JVA angepassten Fassung auf die Bühne. Rund 120 Gäste aus Castrop-Rauxel und Umgebung sowie Bedienstete und Inhaftierte besuchten die Vorstellung und erlebten den gemeinsamen Auftritt. Am Schluss gab es „standing ovations“ und lang anhaltenden Applaus.
In nur sechs Wochen hatten Inhaftierte und Mitarbeitende intensiv für die Aufführung geprobt. Unterstützung und Motivation bekamen sie von zwei erfahrenen Laienschauspielerinnen der studentischen Theatergruppe ChaosTRUB am Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam wurden Szenen erarbeitet, Figuren entwickelt, ein Gesangsduett eingefügt und der Auftritt vorbereitet.
Für die beiden Trainerinnen war das Projekt auch ein Wiedersehen mit dem Meisenhof. Bereits im Dezember 2025 hatte ChaosTRUB das Publikum in der JVA mit einer Aufführung des Stücks „Der Floh im Ohr“ nach Georges Feydeau begeistert. Mit dem jetzigen Theaterworkshop wurde an diese Zusammenarbeit angeknüpft.
Bei den Proben und auf der Bühne ging es um mehr als nur das Schauspielern. Die Beteiligten konnten eigene Ideen einbringen, Neues lernen und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Dabei waren Teamgeist, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, sich auf andere einzulassen, genauso wichtig wie der Auftritt selbst.
Improvisation ohne Drehbuch
Am Donnerstag, den 8. Oktober, ging es mit einem musikalischen und schauspielerischen Improvisationsabend weiter. Schon am Nachmittag hatten Inhaftierte und Mitarbeitende bei einem internen Musikworkshop unter Leitung des Theaterpädagogen und Musikers Jens Niemeier die Gelegenheit, ihre Stimme und ihr Rhythmusgefühl auszuprobieren und sich im improvisierten Gesang wie auch im spontanen und improvisierten Schauspiel zu versuchen.
Am Abend standen dann Jens Niemeier am Keyboard und die Duisburger Improvisationsgruppe „RheinFlipper“ gemeinsam mit den Workshopteilnehmenden auf der Bühne.
Das Besondere an diesem Abend: Es gab kein festes Drehbuch und keine einstu-dierten Szenen. Stattdessen entstanden aus spontanen Ideen und Zurufen aus dem Publikum Geschichten, musikalische Einlagen und überraschende Wendungen. Theater und Musik gingen dabei fließend ineinander über.
So entwickelte sich ein abwechslungsreicher Abend, bei dem niemand genau wusste, was als Nächstes passieren würde. Jeder Einfall konnte die Geschichte in eine neue Richtung lenken - genau das machte den besonderen Reiz der Improvisation aus.
Kultur bringt Menschen zusammen
Auch mit diesen beiden Veranstaltungen zeigte die JVA Castrop-Rauxel wieder einmal, welchen Stellenwert Kunst und Kultur im Justizvollzug haben können. Das Motto „sinnVOLL ZUGehört.“ wurde dabei auf unterschiedliche Weise lebendig – beim gemeinsamen Einstudieren eines Theaterstücks ebenso wie beim spontanen Zusammenspiel auf der Improvisationsbühne.
Nicht nur mit ihren regelmäßigen Kultur-Veranstaltungen „KultiK“ (Kultur im Knast) sondern auch mit ihrer Teilnahme an der fünften landesweiten Knastkulturwoche machte die JVA Castrop-Rauxel auch deutlich, wie vielfältig kulturelle Arbeit im Justizvollzug sein kann. Die beiden Abende im Meisenhof veranschaulichten: Theater und Musik können Menschen verbinden und neue Perspektiven eröffnen – vor allem dann, wenn alle bereit sind, sich einzubringen, einander zuzuhören und gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen.
Quelle (Text&Bilder): Marc Marin, JVA Castrop Rauxel







